0. Präambel

Straßen- und Haustürwerbung sind wertvolle Instrumente für gemeinnützige Organisationen, um mit der interessierten Öffentlichkeit aktiv in Kontakt zu treten. Sie stellen für sie eine Möglichkeit dar, über ihre Projekte und Kampagnen zu informieren und langfristig, finanzielle Unterstützer (nachfolgend „Förderer“ genannt; in diesem Text wird aufgrund der besseren Lesbarkeit nur die männliche Form verwendet; gemeint sind jeweils weibliche und männliche Personen) zu gewinnen. Damit wird ein wichtiger Beitrag für das Gemeinwohl geleistet. Um eine seriöse und qualitativ hochwertige Umsetzung der Straßen- und Haustürwerbung sicherzustellen, ist von Nichtregierungs-Organisationen (nachfolgend „Organisation“ genannt) und Agenturen, die von Nichtregierungs-Organisationen mit der Durchführung von Straßen- und Haustürwerbung beauftragt werden (nachfolgend „Dienstleister“ genannt), eine Initiative gegründet worden. Die an der Qualitätsinitiative für Straßen und Haustürwerbung (kurz QISH) beteiligten Organisationen und Dienstleister werden im Folgenden „Partner“ genannt. Anspruch der QISH ist es, dass diese Art der Werbung und die dadurch vertretenen Organisationen von jedem Einzelnen, der damit direkt oder indirekt in Kontakt kommt, positiv wahrgenommen werden. Um die hier genannten Ziele zu erreichen, werden die folgenden Standards erhoben:

1. Erscheinungsbild

Die repräsentierte Organisation ist eindeutig erkennbar. Die verwendeten Materialien wie zum Beispiel Infostand, Kleidung und Publikationen sind mit Logo und Namen der Organisation versehen. Im Auftrag der Organisationen handelnde Dienstleister sind transparent und eindeutig zu erkennen. Alle in diesem Bereich arbeitenden Mitarbeiter sind Repräsentanten der Organisation. Sie tragen somit eine große Verantwortung für die öffentliche Wahrnehmung der jeweiligen Organisation. Deshalb verpflichten sich die Partner der QISH zu Folgendem:

  • Ihre Mitarbeiter haben ein seriöses und gepflegtes Erscheinungsbild.
  • Jeder Mitarbeiter trägt einen gültigen Arbeitsausweis, der mit dem Namen und dem Logo der Organisation gekennzeichnet ist, ein Foto und den Namen des jeweiligen Mitarbeiters beinhaltet und ggf. mit dem Namen des Dienstleisters versehen ist.
  • Jeder Mitarbeiter trägt eine Art Arbeitskleidung, die aus einem T-Shirt, einer Jacke o. Ä. besteht und mit dem Logo und dem Namen der Organisation gekennzeichnet ist. Jegliche Form irreführender oder organisationsschädigender Arbeitsbekleidung ist ausgeschlossen (z. B. Uniformen von Rettungssanitätern).

2. Ansprache und Gespräch

Die aktive Ansprache von Personen ist wesentlicher Bestandteil der Straßen- und Haustürwerbung. Der Anspruch der QISH ist es, dass die Ansprache stets respektvoll und höflich erfolgt. Der persönliche Raum und die Privatsphäre der Menschen sind zu jeder Zeit zu wahren. Auf Wunsch des Gesprächspartners ist das Gespräch jederzeit zu beenden. Es ist nicht zulässig, Passanten anzufassen, mit ihnen mitzulaufen oder ihnen den Weg zu versperren. Jedes Gespräch ist für die Organisation wertvoll. Das Gespräch hat folgende Ziele:

  • Vermittlung von Informationen über die Arbeit der gemeinnützigen Organisation
  • Gewinnung von Förderern, d. h. finanziellen Unterstützern

Jeder Mitarbeiter ist verpflichtet, die Unterstützungszusage klar und deutlich zu erklären. Damit sind vor allem Informationen zu folgenden Themen gemeint: das Zahlungsverfahren, die Höhe der finanziellen Unterstützung, das Zahlungsintervall, der erste Zahlungstermin, die Laufzeit, die Datenschutzbestimmungen und die Möglichkeiten zum Widerruf. Jeder Förderer erhält direkt nach dem Gespräch eine Kopie der Unterstützungszusage. Es ist der Anspruch der QISH, dass im Gespräch stets klare und wahre Aussagen getroffen werden. Sollte es einem Mitarbeiter nicht möglich sein, eine Frage zu beantworten, so ist er verpflichtet, auf einen Ansprechpartner der gemeinnützigen Organisation zu verweisen. Die QISH spricht sich für die Einhaltung von ethischen Standards in der Straßen- und Haustürwerbung aus. Jedes Gespräch wird ohne die Ausübung von Druck und ohne die Suggestion eines schlechten Gewissens geführt. So lehnen die Partner der QISH insbesondere den Einsatz von schockierenden Bildern und Aussagen ab. Die QISH ist überzeugt, dass eine Unterstützungszusage immer das Ergebnis einer bewussten Entscheidung ist und absolut freiwillig erfolgen muss.

3. Mitarbeiter

Alle in diesem Bereich arbeitenden Mitarbeiter sind Repräsentanten der Organisation. Sie schaffen einen Dialog mit der Öffentlichkeit. Um Professionalität und Seriosität zu gewährleisten, verpflichten sich die Partner der QISH zu Folgendem:

  • Es wird vorrangig mit volljährigen Mitarbeitern gearbeitet. Das Mindestalter beträgt 16 Jahre. Falls Mitarbeiter tätig sind, die jünger als 18 Jahre sind, tragen die Verantwortlichen dafür Sorge, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen eingehalten, vermittelt und ausgehändigt werden.
  • Die Mitarbeiter werden regelmäßig geschult. Dies beinhaltet sowohl die Schulung der hier aufgeführten Qualitätsstandards als auch inhaltliche Schulungen über die Arbeit und die Projekte der jeweiligen Organisation.
  • Alle Mitarbeiter werden angemessen und leistungsgerecht vergütet.

4. Standplätze und Genehmigungen

Die Gewinnung von Förderern erfolgt innerhalb der gesetzlichen Vorschriften. Die Standorte für Straßen- und Haustürwerbung werden hierbei mit besonderer Sensibilität gewählt. Es werden die Interessen der Öffentlichkeit, der Einzelhandelsgeschäfte und der Behörden berücksichtigt. Ohne vorliegende Genehmigung durch die Verwaltung dürfen keine Stände an genehmigungspflichtigen Standorten aufgestellt werden. Die reine Aussicht auf Genehmigung ist nicht ausreichend.

5. Transparenz

Die Partner der QISH treten aktiv für Transparenz in der Straßen- und Haustürwerbung ein. Jede Anfrage wird wahr, sachgerecht und schnell beantwortet. Straßen- und Haustürwerbung sind wertvolle Instrumente zur Mittelbeschaffung. Die Partner verpflichten sich, die Art und Weise, wie die Straßen- und Haustürwerbung durchgeführt werden, sowie die Mittelverwendung und die Kostenverteilung der Organisation auf Nachfrage offenzulegen. Die Mitarbeiter geben auf Nachfrage auch über ihre Vergütung Auskunft. Insbesondere wird nicht fälschlicherweise der Eindruck erweckt bzw. aufrechterhalten, dass es sich um eine ehrenamtliche Tätigkeit handele. Die Mitarbeiter informieren über die Mittelverwendung und über die Kostenverteilung der Organisation anhand der vorliegenden Jahresberichte.

6. Datenschutz

Die Partner legen besonderen Wert auf die Einhaltung der gesetzlichen Datenschutzbestimmungen.

7. Qualitätssicherung

Jeder Partner der QISH ernennt einen Qualitätsbeauftragten, um die Einhaltung der Qualitätsstandards in der Straßen- und Haustürwerbung zu gewährleisten. Die jeweiligen Ansprechpartner sind auf der Internetseite der QISH veröffentlicht.

8. Sanktionen

Bitte richten Sie Verstoßmeldungen und Anfragen an die Ombudsstelle:

Ombudsstelle QISH
Philipp Schmitz und Prof. Dr. Justin Becker
Torstraße 178 · 10115 Berlin
Tel.: +49 30 364686-51
Fax: +49 30 364686-55
E-Mail: ombudsstelle@qish.de

9. Kodex

Die Mitglieder der QISH – Qualitätsinitiative Straßen- und Haustürwerbung geloben, folgende Standards einzuhalten:

  • Kein Mitarbeiter darf werben, ohne geschult worden zu sein.
  • Angehende und bestehende Mitarbeiter sind regelmäßig zu schulen. Diese Schulungen müssen sowohl Gesprächsschulungen als auch Organisationsschulungen (inhaltlich) umfassen.
  • Häufigkeit der Schulungen: Vor dem ersten Einsatz für die Organisation ist mindestens eine vierstündige Starterschulung inkl. einer mindestens einstündigen Organisationsschulung zu absolvieren. Danach schließen sich kontinuierliche Folgeschulungen an; im ersten Monat mindestens acht Stunden.
  • Folgende Themen müssen geschult werden:
  • QISH-Qualitätsstandards
  • QISH-spezifische Richtlinien für Straßen- und Haustürwerbung
  • Einführung in die jeweilige Organisation und ihre Projekt- und Kampagneninhalte
  • Einführung in die Kommunikations- und Verkaufstheorie
  • Praxisübungen zum Gesprächsablauf
  • rechtliche Rahmenbedingungen u. a. zu den Themen Freiwilligkeit der Spende, Rücktrittsbedingungen, Datenschutz und steuerliche Absetzbarkeit der Spende
  • Auflagen Standortgenehmigungen
  • Beschwerdemanagement und -verfahren
  • Umgang mit personenbezogenen Daten
  • Verhaltensweisen, die gewährleisten, dass besondere Vorsicht geübt wird, wenn ältere Personen, Menschen mit Behinderung oder junge Menschen kontaktiert werden
  • Umgang mit Personen, die Betäubungsmittel oder Alkohol zu sich genommen haben
  • Die Schulungsverantwortung liegt bei der Organisation. Sie kann an den Dienstleister übertragen werden.
  • Dokumentation und Evaluation: Die Durchführenden sind verpflichtet, Schulungsinhalte und Teilnehmernamen durch Teilnehmerlisten zu dokumentieren, laufend zu evaluieren und, wenn nötig, Teilnehmer nachzuschulen.
  • Schulungsunterlagen (inkl. Gesprächsleitfaden und Organisationsschulung) sind zentral in der Organisation beim Organisationsbeauftragten zu hinterlegen und auf Nachfrage der Ombudsstelle zeitnah und vollständig zur Verfügung zu stellen.